Elektroautos sind eine gute Technik. Viele Betriebe setzen sie bewusst ein. Gleichzeitig zeigen aktuelle Rückrufe, dass der Hochvoltspeicher unter bestimmten Bedingungen ein reales Risiko mitbringt. Volkswagen bereitet in Deutschland einen Rückruf für bestimmte ID-Modelle vor, weil einzelne Batteriezellen fehlerhaft sein können. Im Extremfall kann das zu einem Brand führen.
Wer den grundsätzlichen Ablauf in der Zelle nachlesen will: Brandschutz bei Lithium-Bränden: Warum herkömmliche Löschmittel versagen. Hier geht es um den aktuellen Anlass und darum, was Betriebe und Fuhrparks unabhängig vom Herstellerdefekt vorbereiten können.
Was der VW-Rückruf konkret bedeutet
Nach Angaben des ADAC bereitet Volkswagen einen Rückruf für bestimmte Fahrzeuge der ID.-Familie vor. Betroffen können Modelle wie ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz aus Produktionszeiträumen 2023 bis 2025 sein – mehrere Tausend Fahrzeuge in Deutschland. Ursache sind Produktionsfehler bei Zulieferern an Hochvolt-Batteriezellen. Das kann zu erhöhter thermischer Belastung führen; im Extremfall ist ein Brand möglich.
Als Sofortmaßnahme begrenzt VW das Laden betroffener Fahrzeuge auf maximal 80 Prozent. Betroffene Halter werden angeschrieben und sollen die Fahrzeuge in die Werkstatt bringen. In den USA läuft bereits ein Rückruf für über 22.000 ID.4 (NHTSA-Kampagne 26V630).
Wichtig: Wer ein ID-Modell besitzt, sollte die Anweisungen von Volkswagen und dem Kraftfahrt-Bundesamt beachten, die FIN prüfen lassen und die Werkstatt aufsuchen. Eine Branddecke ersetzt keinen Werkstattbesuch und keinen Rückruf.

Brennen E-Autos häufiger?
Nein. Laut GDV gibt es in den Versicherungsdaten bislang keine Hinweise darauf, dass E-Autos ein höheres Brandrisiko haben als Verbrenner. 2024 brannten in Deutschland rund 13.600 kaskoversicherte Pkw – Verbrenner und E-Autos zusammen. Der durchschnittliche Schaden lag bei etwa 7.600 Euro.
Daten aus Norwegen und Schweden zeigen dasselbe Bild: Der Anteil der Brände bei Elektroautos liegt unter ihrem Anteil am Bestand. Der ADAC fasst das so zusammen: E-Autos brennen laut Statistik nicht häufiger als Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb.
Anders ist der Verlauf, wenn es brennt. Die DGUV FBFHB-024 und das vfdb-Merkblatt 10-17 beschreiben Thermal Runaway, giftige Brandgase und die Möglichkeit einer Rückzündung. Wasser der Feuerwehr kühlt und kann die Kettenreaktion unterbrechen, wenn es in ausreichender Menge ins Pack gelangt. Ein Handfeuerlöscher reicht dafür in der Regel nicht.
Nicht nur Volkswagen
Ähnliche Rückrufe wegen möglicher Brandgefahr an der Hochvoltbatterie gab es 2025 und 2026 auch bei anderen Herstellern – unter anderem Mercedes, Hyundai, Kia, BMW, Stellantis, Volvo und Ford. Die Ursache ist oft dieselbe: Fertigungsfehler in einzelnen Zellchargen. Als Sofortmaßnahme wird häufig das Laden auf maximal 80 Prozent begrenzt.
Ein Rückruf heißt nicht, dass diese Autos brennen. Er heißt, dass bei einer bestimmten Charge ein erhöhtes Risiko besteht. Auch Verbrenner werden wegen Brandgefahr zurückgerufen. BMW hat 2026 weltweit über 740.000 Fahrzeuge wegen eines Starter-Defekts zurückgerufen.
Was eine Branddecke leisten kann – und was nicht
Eine Brandbegrenzungsdecke löscht den chemischen Prozess in der Zelle nicht. Sie isoliert Flammen und einen Teil des Rauches und bremst die Ausbreitung auf benachbarte Fahrzeuge. Das ist besonders in Tiefgaragen, Parkhäusern und auf dem Betriebsparkplatz relevant. Der ADAC beschreibt genau das: Die Decke löscht den Batteriebrand nicht final, kann aber die Ausbreitung auf Nachbarfahrzeuge verhindern.
Die DGUV FBFHB-024 hält fest: Brandbegrenzungsdecken sind nicht als aktives Brandbekämpfungsmittel vorgesehen. Brennbare Gase können an den Rändern austreten und sich entzünden. Nach dem Abnehmen kann das Feuer wieder aufflammen. Wasser durch die Feuerwehr bleibt nötig.
Im Shop von AP City Design ist die Flame-Cover-Decke für E-Autobrände mit 6 × 8 m geführt. Das Maß muss das Fahrzeug plus Rand abdecken. Flame Cover wird in Belgien bei CARPRO gefertigt; AP City Design vertreibt die Decken in Deutschland und nach Spanien. Die Decken sind für den Einsatz durch unterwiesene Personen gedacht.
Wer die grundsätzliche Vorbereitung für Fuhrparks nachlesen will: Brandschutz im E-Fuhrpark: Checkliste bis die Feuerwehr da ist.

Was Betriebe und Halter jetzt tun können
Elektroautos bleiben eine gute Technik. Der aktuelle Rückruf zeigt, dass die Batterie ein reales Risiko mitbringt und dass Vorbereitung zählt. Eine Branddecke ist keine Lösung für den Herstellerdefekt und kein Ersatz für die Feuerwehr. Sie ist die Maßnahme dazwischen – für den Moment, in dem noch niemand mit C-Rohr steht.
Quellen
ADAC: Brandgefahr – Rückruf für VW ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz? (16.10.2026).
GDV: Brennen E-Autos wirklich öfter?
DGUV FBFHB-024 – Hinweise für die Brandbekämpfung von Lithium-Ionen-Batterien bei Fahrzeugbränden.
vfdb-Merkblatt 10-17 – Empfehlung für den Feuerwehreinsatz bei Lithium-Zellen, Batterien und Akkumulatoren.
NHTSA-Kampagne 26V630 (USA, ID.4).
Dieser Text ersetzt keine Herstelleranweisung, keinen Werkstattbesuch und keine Gefährdungsbeurteilung. Im Brandfall: Abstand halten, Feuerwehr rufen.

